Die Geschichte von Seewalde

Einführung

Die Geschichte des Dorfes Seewalde gliedert sich in zwei Bereiche:
Die Geschichte des Ortes auf der einen Seite, die Geschichte der Sozialen Arbeit auf der anderen Seite.

Der Ort Seewalde Der Ort Seewalde wurde 1904 von "Erbpachtstelle Drosedow II" als bereits betriebene Dampfziegelei in "Seewalde" umgewidmet. Nachdem verschiedene (Erb-)Pächter auf dem Gelände ihr Glück versuchten, die alten Gebäude nach und nach errichteten, zogen in den 30er Jahren des 20. Jh. Diakonissen mit einem Kinderheim ein. 1940 brannten die oberen Stockwerke des "Herrenhauses" ab, die Diakonissen verließen den Ort und der Lauenstein aus Jena zog 1941 ein.

Auch in den Kriegs- und Nachkriegsjahren konnte der Verein – im Wesentlichen in Form eines Kinderheims für bombenbedrohte Großstadkinder – unter schwierigen Bedingungen weiterarbeiten. 1949 erfolgte Enteignung und Schließung durch die DDR. Im Anschluss diente Seewalde zunächst als Außenstelle der Psychatrischen Klinik Ückermünde, dann wurde eine Internatsoberschule eingerichtet. In diesem Zusammenhang enstanstanden anfang der 60 iger Jahre das Schulgebäude – heutiges Werktattgebäude – die Häuser mit Mitarbeiterwohnungen und ein später abgerissenes Internatsgebäude sowie das Kohle-Heizhaus am alten Gutshof.

Schon Ende der 60 iger Jahre änderte sich die Nutzung erneut, es wurden seither Erzieherinnen in Seewalde ausgebildet, im Sommer waren Kinderfreitzeitgruppen untergebracht.

Wenige Jahre vor der Wende (1987) löste die SED die Schule auf und hatte vor, diese Gebäude für sich als Schulungs- und Erholungsobjekt zu nutzen; dazu kam es aber nicht mehr.

Nach der Wende konnte an die heilpädagogische Arbeit der 40 iger Jahre angeknüpft werden, nach langem Bemühen wurde das Gelände zunächst zurückgekauft, später dann rückübertragen. In den 90 iger Jahren entstanden zunächst die neuen Gruppenwohnhäuser für erwachsene Menschen mit Hilfebedarf, nachfolgend wurden die Wohngebäude saniert, die Landwirtschaft aufgebaut und die Werkstätten eingerichtet.

Der Lauenstein Das „Heil- und Erziehungsinstitut für Seelenpflege-bedürftige Kinder Lauenstein e.V.“ wurde 1924 von initiativen Menschen aus dem jungen anthroposophischen Umfeld als erste (anthroposophische) heilpädagogische Einrichtung auf dem Lauenstein in Jena gegründet – und widmete sich der heilerzieherischen Betreuung von Seelenpflege bedürftigen Kindern. Schon in dieser neuen Bezeichnung für die seinerzeit zumeist als idiotisch oder debil benannten Kinder mit sog. Geistiger Behinderung sollte der neue heilpädagogische Ansatz zum Ausdruck. Dafür baten die jungen Heilpädagogen Rudolf Steiner um Hinweise aus der Geisteswissenschaft und setzten so den Grundstein für die anthroposophische Heilpädagogik. (Zur Geschichte, vgl. Peter Selg, Der Engel über dem Lauenstein, 2004)

Nach einer Zwischenstation im Thüringischen Altefeld kam der Verein 1941 nach Seewalde und konnte hier bis zur Enteignung 1949 arbeiten.

Durch alte Mitglieder aus Ost und West nach der Wende wieder aufgegriffen, begann der Verein die Bemühungen m einen Wiederaufnahme der sozialen Arbeit in Seewalde, diesmal konzeptionell mit dem Ziel einer Dorgemeinschaft für erwachsene Menschen mit Behinderungen.

Aktuell ist dieser Verein von 1924 Gesellschafter der gemeinnützigen „Dorf Seewalde GmbH“, dem heutigen Träger der sozialen Arbeit am Ort.

Darüber hinaus steht für die Zukunft eine verbreiterte Ausrichtung auf die gesamte anthroposophisch orientierte Heilpädagogik und Sozialtherapie an, die seit 1924 aus diesem ersten Verein heraus erwachsen und in vielen rechtlich und wirtschaftlich einständigen Formen in der Welt verbreitet ist.